27.07.2010 21:23

HSV-Stars gründen Spielerorganisation

Das große MOPO-Interview mit Jogi Bitter (27) und Toto Jansen (33) zur Überbelastung der Profis: "Es ist höchste Zeit, dass wir selbst Verantwortung für das übernehmen, was mit uns passiert."

Die HSV-Handballer schwitzen bereits wieder für die kommende Saison. Grundlagentraining für den Spiele-Marathon, der bis zum nächsten Sommer kaum Ruhepausen kennt. In der MOPO sprechen Jogi Bitter (27) und Toto Jansen (33), Topstars beim HSV und in der Nationalmannschaft, über die hohe Belastung im Handball, Probleme und Konsequenzen.

MOPO: Sie beide haben sich beim Nationalteam eine Auszeit von April bis Oktober genommen. Warum?

Jansen: Urlaub gibt es für die Nationalspieler nur im Sommer. In diesem Jahr wurde die sechswöchige Sommerpause der Vereine durch Maßnahmen der Nationalmannschaft auf drei Wochen verkürzt. Drei Wochen reichen aber nicht aus, um körperlich zu regenerieren, geschweige denn, um mental abschalten zu können.

Bitter: Während der Saison haben wir kaum einen freien Tag und nie ein freies Wochenende. Gerade durch den vollen internationalen Kalender ist die Situation im Handball extremer als in vielen anderen Sportarten.

Jansen: Manchmal muss man einfach die Notbremse ziehen und wie Jogi und ich in diesem Sommer die Nationalmannschaft hinten anstellen. Durch die Überbelastung steigt die Verletzungsanfälligkeit erheblich und gleichzeitig sinkt ja auch das Niveau auf dem Spielfeld – und darunter leiden letztlich auch die Zuschauer!

MOPO: Die Vereine und Verbände wissen ja um das Problem...

Bitter: Und wir wissen natürlich auch um die wirtschaftlichen und marketingtechnischen Zwänge der Vereine und Verbände, schließlich reden wir hier über professionellen Sport. Dennoch sind wir an einer Grenze angekommen, an der die Schraube wieder bewusst zurückgedreht werden muss. Die Spieler haben bis jetzt keinerlei Möglichkeit, mitzureden oder Einfluss zu nehmen, und werden somit zum Spielball der Funktionäre.

MOPO: Warum tut sich so wenig, obwohl doch die deutschen Nationalspieler ebenso wie ausländische Bundesliga-Stars und andere wichtige Personen wie Heiner Brand immer wieder eine Entlastung der Athleten fordern?

Jansen: Weil ein jeder für sich alleine an seiner Front kämpft. Jeder beschwert sich und fordert Veränderungen, hat aber nicht die Möglichkeit und die Macht, um wirkliche Veränderungen zu bewirken. Was fehlt, ist eine Vertretung der Aktiven in den entscheidenden Gremien des DHB und der HBL sowie auch international, die die Interessen der Spieler wahrnimmt und schützt. Zurzeit sind wir Sportler doch das schwächste Glied in einer Kette und müssen funktionieren. Es ist höchste Zeit, dass wir selbst Verantwortung für das übernehmen, was mit uns passiert.

MOPO: Stimmt es, dass Sie mit anderen Aktiven eine Interessenvertretung für Handballspielerinnen und Spieler in Deutschland gründen wollen?

Bitter: Es stimmt, dass wir die Planungen vorantreiben. Dies ist eine notwendige Konsequenz. Fakt ist, dass der Körper das Kapital des Sportlers ist. Und zurzeit wird damit nicht sehr sorgsam umgegangen. Viele andere Sportarten und Länder haben bereits funktionierende Aktivenorganisationen.

Jansen: Die Initiative zur Verhinderung eines Spieltages am 1./2. Januar 2011 in der HBL, der sich alle Bundesligaspieler angeschlossen haben, zeigt, dass der Wunsch nach einer Interessenvertretung groß ist! Wenn die Spieler so zusammenhalten, wird in der stärksten Liga der Welt ein mächtiges Sprachrohr entstehen.

MOPO: Welche Ziele verfolgt diese Spielervereinigung?

Bitter: Das übergeordnete Ziel ist sicher, bei allen wichtigen Entscheidungen mit am Tisch zu sitzen und dort die Interessen der Aktiven zu wahren – national wie auch international in Verbindung mit den europäischen Partnerorganisationen. Es gilt aber, weitere Aufgabenfelder zu besetzen wie zum Beispiel Hilfe bei medizinischen oder rechtlichen Problemen oder Weiterbildung.

MOPO: Wann soll die Gründung offiziell erfolgen?

Bitter: Wir arbeiten mit viel Leidenschaft und Herzblut an einem starken und operationsfähigen Organ. Die Pläne sind so weit gereift, dass es vielleicht schon vor Saisonbeginn Ende August Konkreteres gibt. Eines ist klar: Eine Handballspielerorganisation als Fixpunkt für alle weiblichen und männlichen Lizenzspieler wird kommen!

Jansen: Es gibt eine breite Zustimmung und Unterstützung für die gemeinsame Idee. Je mehr wir sind, desto stärker sind wir auch!

Text: Nils Weber


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